Einkaufen in einer Viertelstunde

Samstägliche Einkäufe im Supermarkt dauern. Normalerweise. Heute war alles anders: WM-Spiel Deutschland gegen Schweden. Sonst ein mittlerer Aufstand, heute kein Problem: Abgeben von Pfandflaschen ging Ruck-Zuck. Wo in der Getränke-Etage eine einzelne Mitarbeiterin zwei normalerweise nicht enden wollende Schlangen zu bedienen hat (eine Leergut-Schlange einwärts, eine Getränkekisten-Schlange auswärts), war ich heute der einzige Kunde.

Ebenfalls erfreulich: Die Verkäuferin oben hatte genügend Zeit, mir das Pfand direkt auszuzahlen. Sonst bekommt man meistens einen kleinen Zettel, den man dann “unten an der Kasse einlösen” soll. Nur vergesse ich das Einlösen mit schöner Regelmäßigkeit. Denn bis man erst einmal an der “Kasse unten” ist, vergeht im Regelfall mindestens eine Stunde.

Aber auch das war heute ganz anders: Keine fünf nicht-überholbare mit Getränkekisten vollgeladene Einkaufswagen vor mir auf dem Laufband ins Erdgeschoss. Kein Anstehen für die Ein-Euro-Münze an der Information - Ich hatte ja das Pfandgeld. Keine “Quergeparkten” Einkaufswagen zwischen den Kühlregalen. Niemand, der mit Wagen, Leibesfülle, überraschenden Positionswechseln oder “da ist zu viel Zucker drin”-Diskussionspartnern genau die Waren verdeckt, die ich doch gleich einsammeln wollte.

Das gesamte Lebensmittel-Untergeschoss war wie ausgestorben. Ein angenehmes Gefühl von Einsamkeit beschlich mich besonders beim Anblick dieser einzelnen, leeren Mini-Obst-Plastiktüte, die vom Wind der Klimaanlage halb gleitend, halb kullernd über den Boden geweht wurde. Geradezu filmreif: Wie die vertrockneten Grasbüschel in Geisterstädten - das typische Stilmittel im Western.

Wieder im Erdgeschoss: Vier Kassen offen. Nur für mich - und für zwei weitere Kunden, die vermutlich zum “Nachschub kaufen” gekommen waren - Einer mit einem 10-Liter-Faß, einer mit zwei Sixpacks. So entfiel auch das Anstehen an der Kasse heute vollständig.

Nächstes Mal wieder!

Einkaufen, wenn Deutschland spielt: Durch diesen Supermarkt bin ich noch nie so schnell durchgekommen. Schon gar nicht an einem Samstag! Wann Deutschland gewinnt erfährt man schließlich auch, ohne ein einziges Spiel zu sehen. Man braucht nur das Fenster offen zu lassen. Dann hört man das schon.

Eines muss ich das nächste Mal jedoch anders machen: Ich hab heute versehentlich Kulmbacher statt Krombacher gekauft. Schade.