Dienstag, 16. Dezember 2008 Druck-Ansicht
Na sowas. Da sucht man in Google nach seinem eigenen Vornamen - und ganz vorne mit dabei sind yasni und 123people. Da fragt man sich: Wie schaffen die das? Der Trick ist ganz einfach: Irgendein Script sucht sich diverse Inhalte zusammen, macht eine für die Suchmaschinen gut zu findende Ergebnis-Seite draus - Nennt die so, wie die Person heißt - Und mogelt sich mit nicht selbstgeschriebenen Inhalten nach oben.
Warum das so gut klappt? Weil eben wahllos alles über “Fritz” und “Beispiel” zu einer “Fritz Beispiel”-Seite gemacht wird. Und das ist mehr “Fritz” und “Beispiel” als jeder einzelne echte Fritz Beispiel je über sich zusammenbringen könnte.
Zudem verfahren diese sogenannten “Personensuchmaschinen” mit wohl so ziemlich allen Vor- und Nachnamenkombinationen so. Ohne sich ein Einverständnis zu holen, ohne die Betroffenen davon in Kenntnis zu setzen - und produzieren auf diese Weise Seiten en masse.
Dass dabei reichlich oft irgendwelche Inhalte zusammengeführt werden, die nichts miteinander zu tun haben, versteht sich quasi von selbst. Und das kann mitunter reichlich unangenehm werden. Eine gewisse Schadenfreude kam in mir auf, als ich diesen » Screenshot gesehen habe - Es trifft die Macher sogar selbst.
Dumm nur für all die, die von ihrem “Glück” nicht einmal etwas wissen.
Da läuft also irgendein “Service”, um den man nicht gebeten hat, munter vor sich hin, klaubt sich alles Mögliche aus dem Netz zusammen - schreibt einen Namen drüber - und dann hat man den Salat.
Wenn man Pech hat, wird der eigene Name mit lauter Schrott, mit falschen Verknüpfungen, diversen Textfetzen, unangenehmen Fotos und noch » fieserem Zeug in Zusammenhang gebracht. Wobei es manchmal richtig » abwegig wird - Und manchmal wird’s zu einer ausgewachsenen Riesensauerei. Rufschädigend sind Verknüpfungen zu Kinderp*rn*graphie besonders dann, wenn man u.a. mit Kinder-Artikeln handelt. Der » Ärger der Betroffenen ist da nur allzu gut verständlich.
Die Argumentation von Yasni und 123people ist fadenscheinig: Das seien doch frei zugängliche Inhalte. Sind es, ja. Abgesehen davon, dass es sind nicht deren Inhalte sind (Urheberrechte?* Hallo?), werden nicht existente Verknüpfungen suggeriert und somit Ärgernisse bis hin zur Rufschädigung billigend in Kauf genommen.
*Allzu eng scheint’s Yasni mit Urheberrechten ohnehin nicht zu nehmen. Man mag bezweifeln, dass die Frau Hilton (oder die Bildagentur) damit einverstanden war, ihr Foto im yasni-Blog zu sehen. Inzwischen ist der eher peinliche Beitrag zwar vom Netz - aber die entsprechenden Stellen sind » informiert - und Screenshots von dieser » albernen Aktion mit Paris Hilton und » Vladimir Putin gibt’s auch.
Überdies erinnere ich mich nicht daran, zugestimmt zu haben, dass mein Name und mein Foto auf einer Seite mit Werbebannern zu Single-Börsen erscheinen soll. Yasni macht also ohne mein Einverständnis mit meinem Namen Werbung.

Wenn dieser Screenshot eine echte “Suchergebnis-Seite” zeigen würde, wäre es ja noch halbwegs in Ordnung. Tut er aber nicht. Man sieht eine direkt erreichbare Seite, die in Google unter den Top-Five gelistet ist. Und das, obwohl sich kein einziger “Gunnar Tillmann” dazu entschließen konnte, sich bei Yasni anzumelden, ein Profil anzulegen und damit deren AGB zuzustimmen.
Diese Werbeplätze sind bestimmt nicht billig, ein solcher Service hat in Suchmaschinen nun mal ordentlich “Bums”. Andere Services leben davon, dass sich Mitglieder freiwillig anmelden. Weil sie einen echten Mehrwert bieten. Weil sie richtig viel eigenen Inhalt ins Web bringen. Die arbeiten für ihren “Bums”.
Yasni und 123people hingegen generieren sich die “Mitglieder” mehr oder weniger automatisch und bedienen sich für ihren “Bums” fleißig anderswo. Tausende in Google gelistete Ergebnis-Seiten mit nicht selbst geschriebenem Content.
Die Vermutung liegt nah, dass die meisten Anmeldungen in diesen Content-Schleudern nur deshalb zustande gekommen sind, weil die Leute glaubten, unangenehme Bilder oder schlichte Fehlinformationen durch das Anlegen eines “Profils” wieder zurechtrücken zu können.
Das ist jedoch Augenwischerei. Zwar kann man dafür sorgen, dass vom ganzen “Murks” die “richtigen” Sachen im “richtigen” Profil landen, den “Murks” gänzlich entfernen kann man aber nicht. Wie Yasni auf solche Anfragen reagiert, ist z.B. » hier nachzulesen.
Bei Yasni meldet man sich an, weil man sich ärgert, muss dabei den Nutzungsbedingungen und den AGB zustimmen - Und erfährt dann, dass man damit nichts ausrichten kann.
Zugegeben, da hätte man vielleicht vorher drauf kommen können, denn im Anmeldefenster steht an erster Stelle die etwas schwammige Formulierung:
Sie bestimmen, welche Links & Bilder in welcher Reihenfolge angezeigt werden!
Im “Eifer des Gefechts”, im fremdauferlegten Handlungsdruck, kann man aber durchaus dazu neigen, diesen Satz so zu interpretieren: “Sie bestimmen, welche Links & Bilder angezeigt und in welcher Reihenfolge sie angezeigt werden!”
Steht da leider nicht. Aber bitte Yasni - Warum schreibt Ihr das nicht deutlicher?
Bei 123people ist man erfreulicherweise ein bisschen direkter und kommt gleich zur Sache. Dort ist sofort ersichtlich, an wen man (unfreiwillig) geraten ist:
Sponsor Link: Wir helfen unangenehme Fotos zu entfernen.
… wobei festzuhalten ist, dass diese unangenehmen Fotos ohne den Service, in dessen “Genuss” man ohne eigenes Zutun gekommen ist, vermutlich nie wirklich unangenehm geworden wären.
Weil es eben “Murks” ist und normalerweise auch weiterhin brav ganz hinten in den gängigen Suchmaschinen geblieben wäre.
Dank Yasni und 123people & Co rückt jeder “Murks”, der zufällig den eigenen Namen trägt, jedoch unangenehm weit nach vorne. Auf den Seiten der Personensuchmaschinen selbst steht dieser “Murks”, den sonst vermutlich keiner einer gefunden hätte, schließlich schön komprimiert beieinander. Vielen Dank, auch!
Pikant: Um etwaigen Image-Schaden gering zu halten, den man nicht selbst zu verantworten hat, “darf” man die empfohlenen Partner von Yasni und 123people in Anspruch nehmen - unverhohlen wird auf ReputationDefender und Datenwachschutz verwiesen. Selbst schuld, wer auch noch auf diese Lachnummern reinfällt.
Wie dem auch sei: Diese kompetenten “Partner” lassen es sich sicherlich was kosten, bei unseren freundlichen “Personensuchmaschinen” auch als solche geführt zu werden.
Und damit wird’s echt heiß. Nimmt man einen dieser zweifelhaften Folge-Services in Anspruch, bezahlt man indirekt diejenigen, die einen ärgern. Damit die einen nicht mehr ärgern.
Ob man das wohl schon “Erpressung” nennen kann, was Yasni und 123people so treiben?
Wahrscheinlich kann man das nicht, denn immerhin bleibt die Möglichkeit, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, wie schon » Der Spiegel empfiehlt. Ein fader Beigeschmack bleibt jedoch.
Und: Müsste nicht eigentlich der Verursacher aktiv werden?
Oder anders ausgedrückt: Wenn jemand eine Schubkarre voller Gülle vor Deiner Tür ablädt, wer ist am Haufen schuld?
Die Kühe, von denen die Gülle kommt?
Oder der mit der Schubkarre?
Und wer muss den Haufen jetzt wegputzen? Der mit der Schubkarre?
Pustekuchen. Du!
Kritische Meinungen gibt’s zuhauf, Tendenz rapide steigend - hier einige Links zu diesem Thema:
Zu der » Aktion vom Kreativ-Blog: Ich schließe mich an. Mit einer kleinen Änderung:
“Ich will nicht unfreiwillig in YASNI, 123People und anderen Personensuchmaschinen aufgenommen werden”.
Wenn mich das Konzept in irgendeiner Weise ansprechen würde, hätte ich mich da längst angemeldet. Das tut es aber ganz und gar nicht. Und es hat auch bisher keinen anderen “Gunnar Tillmann” überzeugt, sonst gäbe es dort schon längst ein Profil. Dennoch gibt’s eine .htm-Seite in Top-Platzierung. Nanü?
A propos “Profil”: Seit heute habe ich bei XING ein neues Bild, das auch ab jetzt direkt bei Yasni und 123people zu sehen ist:

Die Photoshop-Vorlage (Vektor-Ebenen, beliebig skalierbar,
aufs XING-Format angepasst, damit nichts “gestaucht” wird)
kann » hier heruntergeladen werden.
So, liebe Yasnis und 123peoples: Wenn Ihr mit “Gunnar Tillmann” bei Google & Co. in die Top-Five wollt, dann schreibt bitteschön Euren eigenen Content über “Gunnar Tillmann”. Und bedient Euch nicht anderswo.
Oder seid wenigstens so überzeugend, dass sich lauter “Gunnar Tillmann”s bei Euch freiwillig ein Profil einrichten.
Das “Verbots-Schild” als Profilfoto widerspricht den AGB von XING. Schade. Dort darf man nur “echte Fotos” hochladen - Firmenlogos u.ä. sind nicht erwünscht … Und mein schönes Schild wurde auch recht bald entfernt.
Gut, dann eben erst mal kein Foto. Sonderlich vorteilhaft war’s ohnehin nicht - Und auch aus Solidarität zu den anderen “Gunnar Tillmann”s, deren E-Mail-Adressen auf 123people zu finden sind. Vielleicht laufen die ja immer mit Schlips und Kragen herum und haben ein Problem damit, mit Kapuzenpulli, Kinnbart, zwei düsternen Augen- und sechs silbernen Ohrringen verknüpft zu werden? (Lippenpiercing war übrigens grad nicht drin …)
Was noch?
In Österreich dürften die Betreiber von 123people ebenfalls bald Post bekommen. Wie » Dennis berichtet, prüft die dortige ARGE » rechtliche Schritte gegen Personensuchmaschinen - Das Denkfabrikat ist ebensowenig begeistert vom » zweifelhaften Nutzen dieser Services … 2009 wird also spannend.
Die ersten Erfolge …
… kommen erwartungsgemäß aus der Ecke » Bellendorf. Die Yasni-Seiten mit seinem Namen sind aus Google (wie es aussieht) komplett verschwunden. Jetzt könnte man sagen “Doof, dass man das nur mit anwaltlicher Hilfe hinbekommt”. Aber vielleicht kann man das ab jetzt auch ohne rechtlichen Beistand erreichen?
Ich werd’s ausprobieren. Ich möchte einfach nicht, dass irgendein Webservice unter meinem Namen ganz vorne mitspielt, ohne dass sich weder ich noch irgendein anderer gleichen Namens dort angemeldet hat. Also: Mail schreiben - Und mal schauen, was passiert …
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